Auf Erfolgskurs
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Ungeachtet der europäischen Schuldenproblematik hält die Messewirtschaft ihre Etats nicht nur stabil, sie erweitert sogar ihre Kapazitäten
Von Reinhard Lückmann
Schon zur Halbzeit der Bad-Messe ISH herrscht gute Stimmung. Am Messestand des Herstellers Alape in Halle 3 der Frankfurter Messe beispielsweise wird gefeiert. Für das Goslaer Badmöbel-Unternehmen ist der Messeauftritt schon jetzt ein voller Erfolg. Den gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Der repräsentative, designorientierte Messestand, die Partyband und das Catering kosten viel Geld. Trotzdem denkt Marketing-Chef Peter Theising nicht im Entferntesten daran, etwa das Messebudget zu kürzen. Catering und Messepartys seien wichtig für die Kundenbindung. „Wir halten unser Volumen auch für das kommende Jahr“, sagt er.
Wie der Sanitärausstatter Alape denken offenbar viele Unternehmen, so etwa auch die Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH, die in diesem Jahr auf der Düsseldorfer METEC ausstellte. „Messebeteiligungen sind ein unbedingtes Muss, gerade auch in schwierigen Zeiten“, sagt Prokurist Wolfgang Komenda. Zudem gebe es Messen, auf denen man vertreten sein müsse, da dies auch von der nationalen und internationalen Kundschaft erwartet werde. „Eine Reduktion des Messebudgets für das Geschäftsjahr 2012 ist daher nichtgeplant“, gibt Komenda an. Bei der Maschinenfabrik Gustav Eirich aus Hardheim sieht man das ähnlich. „Unser Messebudget ist großen Schwankungen unterworfen“, berichtet Marketingleiter Henrik Moelleken. „Die großen Leitmessen finden alle drei bis vier Jahre statt, und jedes Jahr treten andere Konstellationen auf.“ So sei es schwierig, einen generellen Trend abzulesen. „Über die vergangenen Jahre betrachtet, gibt es jedoch keine Hinweise auf eine Reduzierung des Budgets, eher auf eine leichte Zunahme unserer entsprechenden Aufwendungen.“
Das Verhalten der Unternehmen deckt sich mit einer Untersuchung des Ausstellungs- und Messeausschusses der deutschen Wirtschaft (Auma) „Messe-Trend 2011“ vom März dieses Jahres. Demnach wollen 27 Prozent der deutschen Aussteller ihre Aufwendungen für das Marketing-Instrument Messe in den kommenden zwei Jahren steigern. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) will sie gleich halten und nur 16 Prozent planen Ausgabenkürzungen. Damit liegt, so rechnet der Verband weiter, der Anteil derjenigen Firmen, die gleich viel oder mehr für Messe-beteiligungen ausgeben wollen, bei mehr als 80 Prozent. Auch die Messegesellschaften setzen mehr auf Wachstum als auf Konsolidierung. „Wir haben im laufenden Geschäftsjahr unser Kerngeschäft durch Investitionen, zum Beispiel in Kundengewinnungs- und Kundenbindungsprogramme, weiter gefestigt sowie strategische Weichen für weiteres Wachstum in 2012 gestellt“, sagt Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt. Dazu gehörten neue, zukunftsorientierte Veranstaltungen im In- und Ausland sowie langfristige Verträge mit Gastveranstaltungen, Zukäufe und ein weiteres Kongresszentrum am Standort Frankfurt.
Auch die Deutsche Messe AG in Hannover will in den nächsten vier Jahren mehr als 100 Millionen Euro investieren. „Wir werden unser Gelände hier auf internationalem Spitzenniveau halten und planen nach mehreren erfolgreichen Akquisitionen in den vergangenen drei Jahren weitere Übernahmen von Messen und Veranstaltern im In- und Ausland“, erklärt Messechef Wolfram von Fritsch. Die Messe Berlin errichtet neben dem künftigen Hauptstadtflughafen ein 250 000 Quadratmeter großes Messegelände unter dem Namen Berlin Expo-Center Airport, das unter anderem auch der neue Standort der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA sein wird.
Auch die Koelnmesse zeigt sich optimistisch für das kommende Jahr. Basis dafür seien die Ergebnisse von 2011 mit deutlichen Zuwachsraten bei den Veranstaltungen und die Reduzierung des Bilanzverlustes in zweistelliger Millionenhöhe. Damit bleibe die Messe, so Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf Erfolgskurs hinsichtlich der Unternehmensziele nachhaltige Entwicklung der Leitmessen, Investition in Zukunftsthemen, neue Formate sowie schwarze Zahlen vom Jahr 2013 an.
In Düsseldorf setzt Messechef Werner M. Dornscheidt vor allem auf Modernisierung. So soll das Messegelände in den kommenden neun Jahren mit einem Aufwand von etwa 500 Millionen Euro auf dem neuesten Stand der Technik gehalten werden. „Das sind permanente Verbesserungen, die wir uns gönnen können, auch gönnen dürfen, denn wir finanzieren das alles selbst und bekommen keinerlei Subventionen“, sagt Dornscheidt. Die Münchner Messemacher halten den Daumen ebenfalls nach oben. Die Anmeldezahlen zu den großen Frühjahrsmessen wie der Sportartikelmesse Ispo, der Uhren- und Schmuckmesse Inhorgenta oder Ifat Entsorga seien ausgezeichnet. Für die Messe zahle sich der hohe Anteil an Leitmessen im Veranstaltungsportfolio aus. „Aussteller verzichten lieber auf den zweiten oder dritten Messeauftritt, bevor sie bei der Messe Nummer eins kürzen“, sagt Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung. Trotz der andauernden Euro-Krise und der Unsicherheit an den Finanzmärkten gehen die Münchner Messemacher daher mit Zuversicht ins Jahr 2012.
Dass sich die Messewirtschaft offenbar unbeeindruckt von konjunkturellen Risiken zeigt, wundert Experten nicht. „Das Jahr 2011 ist für die deutschen Messeveranstalter ausgesprochen positiv verlaufen. Viele Messen konnten Rekordzahlen melden und die deutsche Messebranche ihre international führende Position erfolgreich verteidigen“, resümiert Norbert Stoeck, Messe-Experte bei Roland Berger Strategy Consultants. Trotz der insgesamt unsicheren Rahmenbedingungen zielten die Investitionen darauf ab, das Fundament für den Erfolg von morgen zu legen. Für Stoeck sind sie darüber hinaus „ein klares Signal an den internationalen Wettbewerb, dass die deutsche Branche ihre führende Position nicht freiwillig räumen wird“.
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Prominente Fürsprecher
Gastfreundschaft: Darf es auch ein bisschen mehr sein?

0 Kommentare
Sie können den ersten Kommentar schreiben.