Kennen wir das nicht aus der Damenmode? Stoffe können anziehen, verlocken, verführen. In der Diskussion um mehr Nachhaltigkeit auf den Messen und die Verwendung neuer, umweltfreundlicher Materialien verdient die Verwendung von Textilien für den Messebau besondere Aufmerksamkeit. In den letzten Jahren hat die Entwicklung neuartiger Stoffe faszinierende Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet, die nicht nur Leichtbau und spannende Lichteffekte ermöglichen, sondern mit Langfristeinsatz, Recyclingfähigkeit, einfachen Transport- und Lagerkosten auch auf dem „grünen“ Konto ein dickes Plus verzeichnen. Bedenkt man dann noch die Kosteneffizienz im Vergleich zu herkömmlichen Konstruktionen scheint hier ein wahrer Alleskönner zur Verfügung zu stehen. Das illustrieren auch beeindruckende Inszenierungen, die zeigen, welche kreativen Möglichkeiten in dem leichten Material stecken. Allerdings darf man „Textil“ nicht als Patentrezept für jeden Zweck sehen. Und textile Messearchitektur ist ein Metier für Spezialisten. Mal eben aus Kostengründen einen Auftritt aus dem luftig-leichten Material zu zaubern kann gefährlich sein: Wirft der Stoff Falten, wo es keine geben soll, entsteht sofort ein billiger oder ungepflegter Eindruck.

Freie Designlösungen
Der Kreativität sind bei der textilen Gestaltung keine Grenzen gesetzt: Die Vielfalt der Strukturen, Farben, Transparenz dazu Dehnbarkeit, Verarbeitung, verschiedene Stärken aber auch neue Verspanntechniken erlauben völlig neuartige Standkonzepte in Planung und Einsatz. Besonders reizvoll sind raumgreifende organische Konstruktionen, gerundete Ecken oder weiche Verläufe, die dem grundsätzlichen Trend nach weichen und amorphen Formen entsprechen. Neue Bedruckungsmöglichkeiten oder die Verwendung von Stoffsorten mit besonderer Struktur erweitern das gestalterische Spektrum und garantieren unverwechselbare Markenauftritte. Ebenso aufmerksamkeitsstark sind Akzentlösungen, vor allem in Kombination mit einer entsprechenden Lichtdramaturgie.

Kombinationsmöglichkeiten mit Licht
Im Zusammenspiel mit textilen Bespannungen ergeben sich ganz neue Lichteffekte. Das kann bis zu wechselnden Bewegtbild-Projektionen gehen. Überraschende Inszenierungen und Animationen sind relativ einfach zu realisieren. In der Regel ist die dafür benötigte Technik zwischen den Stoffbahnen angeordnet. Das erfordert gute Zugänglichkeit, etwa für den schnellen Austausch von ausgebrannten Leuchten. Dafür gibt es heute Lösungen, die weder aufwändige Zugangsklappen noch ein Ersetzen von Stoffbahnen nötig machen. Die Kombination unterschiedlicher Stoffe erlaubt zusätzliche Gestaltungsfinessen, so dass etwa ein Stand nach außen leuchtet, innen aber blickdicht angelegt ist. Die Variationen sind bei der Vielfalt der Stoffe und der Leuchttechniken faszinierend und erlauben maßgeschneiderte Lösungen.

Leichtigkeit
Eine der wichtigsten Vorzüge von textilen „Baustoffen“ ist sicher ihre Leichtigkeit. Das ermöglicht nicht nur fantastische, großflächige Konstruktionen, sondern vereinfacht natürlich den Aufbau wesentlich. Der erfordert zwar Erfahrung und Fingerspitzengefühl für das perfekte Ergebnis, aber kein schweres Gerät. Beinahe noch gravierender schlägt die Leichtigkeit bei Transport und Lagerung zu Buche. Der Bedarf an Lagerfläche ist weitaus geringer als bei einem Stand herkömmlicher Art. Wird der unterschiedliche Einsatz der verschiedenen Elemente zudem vorab festgelegt, können die „Pakete“ gleich entsprechend einsortiert werden. Das Packmaß ist klein und somit lassen sich die Pakete günstig von Messe zu Messe transportieren und bei internationalen Einsätzen sogar auch einmal per Flugzeug vor Ort schaffen – nicht zuletzt für eine einheitliche Coporate Design-Präsenz ein Pluspunkt.

Einfache Volumenerzeugung
Eine Besonderheit textiler Messearchitektur liegt in der großen Flächen- und Volumenausdehnung mit geringem Materialeinsatz. Neue Verspanntechniken erlauben hier außergewöhnliche Formen, die mit herkömmlichen Mitteln schon aus Gewichtsgründen nicht denkbar wären. Zeltartige Konstruktionen, leicht geschwungene Bögen, weiträumige geschwungene Fassaden sind ideale Anwendungen, aber auch gewaltige Lichtbrücken oder schwebende Elemente können so auf einfache Weise realisiert werden. Sprinklertaugliche Stoffe machen neue Nutzungen der Deckenflächen möglich, die Größe ist dabei kein Problem, in einem Fall wurde ein Stand mit einer Textildecke von 750 Quadratmeter überspannt.

Kosteneffizienz
Textile Messearchitektur ist keine Billiglösung, denn das verwendete Material und die Verarbeitung müssen hochwertig sein, wenn das Ergebnis überzeugen soll. Die Kostendifferenz zur vergleichbaren Schreinerlösung ist in der Erstanschaffung ohnehin nur gering. Langfristig günstiger ist die textile Lösung vor allem deshalb, weil man mit dem gleichen Budget weiter kommt – besonders wenn der Stand modulartig aufgebaut ist und so mehrfach und in unterschiedlichen Kombinationen eingesetzt wird. Dann zahlen sich die Vorzüge von Leichtigkeit, Strapazierfähigkeit und einfacher Reinigung aus. Ebenso die Einsparungen bei Transport und Lagerung sowie bei der schnellen Montage.

Bedruckbarkeit
Das Spektrum der textilen Bedruckstoffe ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Mittlerweile ist auch das großflächige Aufbringen von farbigen Fotomotiven mit Digitaldruck möglich, damit haben sich die Gestaltungen noch weiter vervielfacht. Ebenso sind Schrift und Markennamen originalgetreu aufzudrucken Zu beachten ist dabei lediglich, welche Form der bedruckte Stoff im Einsatz haben wird, damit Verzerrungen berücksichtigt werden. Wobei auch diese ein reizvolles Überraschungsmoment bilden können. Stoff als Medienträger für Schrift oder Bild erzeugt in jedem Fall eine beeindruckende Szenerie, hohe Präsenz und hohen Aufmerksamkeitsgrad.

Umweltverträglichkeit
Ein wesentlicher Pluspunkt für die textile Messearchitektur besteht in der Umweltfreundlichkeit. Abgesehen von dem Angebot neuer schadstoffarmer und recyclingfähiger Materialien ist die langfristige Verwendung zu betonen, die solche Lösungen übrigens auch ökonomisch interessant machen: Flexible Einsatzmöglichkeiten , beachtliche Strapazierfähigkeit und mittlerweile problemlose Reinigung der Stoffkonstruktionen garantieren die einfache Wiederverwendbarkeit über einen längeren Zeitraum. Zum mehrfachen Einsatz statt gängiger Ex-und-Hopp-Lösungen kommt dank kleiner Packmaße die optimierte Transport- und Lagerlogistik. Und sollte es wirklich zu einem Ende kommen, ist unter Umweltgesichtspunkten auch die Entsorgung positiv.

von Manfred Resch – WengerWittmann GmbH
Mehr Infos auch in der Kategorie
“Intelligente Messebauten” im XING Messeforum: Intelligente Messebauten

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